»Pan-Afrikanismus/Afrozentrismus«

Bewegungen, die die Vorstellung einer essentiellen >afrikanischen Identität< vertreten, die als verbindlich und grundlegend für afrodiasporische Gruppen weltweit verstanden wird.

Die Idee des Panafrikanismus geht auf die Gedankenmodelle vor allem afroamerikanischer Intellektueller des 19. Jahrhunderts (Edward Blyden, Alexander. Crummell, Martin Delany) zurück, die die Rhetorik des biologischen Rassismus ihrer Zeit aufgriffen und appropriierten, um den schwarzen Widerstand gegen Sklaverei und Rassismus zu konzipieren und zu organisieren - allerdings ohne den Begriff des Pan-Afrikanismus zu verwenden.

Institutionalisiert und systematisch entwickelt wurde der Begriff erst durch W.E.B. DuBois, der 1897 erstmals von >Pan-Negroism< sprach und in den folgenden Jahren maßgeblich an der Organisation des ersten Pan-African Congress beteiligt war, der 1919 in Paris stattfand, und Teilnehmer aus den Amerikas, Europa und Afrika zusammenbrachte. Die Bewegung war auch in den folgenden Jahren, in denen eine Reihe weiterer panafrikanischer Kongresse weltweit stattfanden, sehr stark durch afroamerikanisehe und karibische Vertreter bestimmt. In den I0er und 20er Jahren erhielt DuBois einen wichtigen Kritiker in der Person des jamaikanischen Amerikaners Marcus Garvey, der sich gegen die abstrakte - strategisch politische - Verwendung der panafrikanischen Idee bei DuBois und anderen aussprach und 1914 eine höchst populäre Vereinigung (UNIA - Universal Negro Improvement Association) gründete, die konkret die Rückkehr von Afroamerikanern (und in der Folge aller diasporischen Amerikaner) nach Afrika betrieb.

In den 40er und 50er Jahren traten afrikanische Vertreter der panafrikanischen Idee wie der erste Präsident Ghanas, Kwame Nkrumah, in den Vordergrund der Bewegung, die nun zum wichtigen Bezugspunkt für den antikolonialen Kampf und das postkoloniale Afrika wurde. Zur gleichen Zeit entwickelte sich die Idee und die Bewegung der Negritude im frankophonen Afrika und seiner Diaspora, die von prominenten Vertretern wie dem senegalesischen Dichter und Politiker Leopold Senghor und dem aus Martinique stammenden Autor und Aktivisten Aime Cesaire bestimmt wurde. Wie in der panafrikanischen Bewegung, stand auch im Rahmen der Négritude-Bewegung die Vorstellung einer biologischen Einheit aller Afrikaner in problematischem Bezug zu rassistischen Denkmodellen.

Die Idee und Ideologie des Afrozentrismus entwickelte sich aus ,diesen Denkmodellen in den USA der I970er und 80er Jahre, im engen Anschluss an die Protestaktionen der Bürgerrechtzug auf die Schriften des senegalesischen Kritikers C kh Anta Diop formulierte so der prominenteste Sprecher der Bewegung, der Universitätsprofessor Molefi Kete Asante, 1980 in dem Band Afrocentricity die Vorstellung,einer verbindlichen afrikanischen Tradition und einer Zivilisation, die im Ägypten der Antike ihren Ausgang nahm und über die Jahrhunderte systematisch diffamiert, verheimlicht unterdrückt wurde.