Wir ĂĽber uns - Projektidee - Hintergrund

Dass der gesellschaftliche und kulturelle Wandel unserer Zeit deutlich von Prozessen der kulturellen Globalisierung und der Migration geprägt ist, hat sich inzwischen längst über universitäre Diskurse und migrationspolitische Debatten hinaus im öffentlichen Bewusstein als ein Fakt etabliert. Dabei ist dies keine Besonderheit des beginnenden 21. Jahrhunderts, sondern ein Umstand der sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht.

Trotzdem hat sich in den letzten Jahrzehnten die Intensität, Reichweite und Geschwindigkeit der Prozesse unter anderem als Konsequenz der wirtschaftlichen Globalisierung vehement verstärkt. Formen globalisierter Kultur und die Existenz der multikulturellen Gesellschaft prägen unsere Konsumgewohnheiten, unsere Kulturlandschaft unser soziales Miteinander. Dem steht allerdings immer noch ein Mangel an Integration, kultureller Offenheit und Akzeptanz unterschiedlicher Alltagsrealitäten gegenüber.

Schon seit langem haben sich vielfältige Ansätze von Unterstützung für MigrantInnen und von interkultureller Arbeit entwickelt. Auf Tagungen und Workshops wird aber immer dringlicher eine notwendige grundlegende Neuorientierung interkultureller Ansätze diskutiert. Angesichts der tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesse durch die Dynamik der kulturellen Globalisierung und durch Migration reicht es nicht mehr aus, alt bewährte multikulturelle Konzepte einfach nur fortzuschreiben, sie kosmetisch zu modernisieren oder ihnen gar nur durch neue Begrifflichkeiten einen oberflächlich aktuellen Touch zu geben. Ebenso ist allein guter Wille gerade in diesem sensiblen Arbeitsfeld nicht genug. „Lila-Latzhosen-Gutmenschentum“ (Dorothea Kolland) oder folkloristisch angehauchte Exotik haben gewiss ihre Berechtigung (und ihr Publikum), als zukunftsweisende Modelle gesellschaftspolitisch engagierter und wirksamer Sozial- und Kulturarbeit taugen sie aber nicht.

Das Projekt „forum interkultur“ will für die Weiterentwicklung dieser Ansätze Anregungen und eine Plattform („virtuell“ im Internet und „real“ in Veranstaltungen) bieten.

Während die Rahmenbedingungen für Integrationsprozesse auf Bundesebene im Rahmen von Gesetzgebung und Fördertöpfen geschaffen werden, findet die tatsächliche „Arbeit“ der Integration auf kommunaler Ebene statt. Dem tragen inzwischen Großstädte (wie z.B. Stuttgart oder Essen) durch eigene Integrationskonzepte Rechnung.

In Nürnberg besitzt die Auseinandersetzung um Integration ein lange Tradition, so war Nürnberg 1973 eine der ersten bundesdeutschen Städte in der ein Ausländerbeirat gegründet wurde und eine der ersten Städte, die bereits Anfang der 80er Jahre erstmals ein referatsübergreifendes „Ausländerprogramm“ verabschiedete, das sowohl den Sozial- als auch den Kulturbereich berücksichtigte und das 1993 fortgeschrieben wurde. Heute gibt es im sozialen als auch kulturellen Bereich vielfältige Angebote und Projekte der Stadt. Zusätzlich zu den Aktivitäten der Kommune existiert in Nürnberg eine Vielzahl von Vereinen, Initiativen und Einrichtungen in freier Trägerschaft. Dies stellt zusammen ein hohes Potential für interkulturelle Arbeit dar.

Nach der Einrichtung einer Stadtratskommission für Integration im Herbst 2002, arbeitet die Stadt Nürnberg aktuell an der Entwicklung eines neuen „Integrationsprogramms“. In Gesprächen mit Mitgliedern der dafür eingerichteten städtischen Koordinierungsgruppe wurde deutlich, dass es als wichtig angesehen wird, dass der Erarbeitungsprozess dieses Programms ein offen angelegter Prozess sein soll, der nicht nur die Fachöffentlichkeit, sondern weite gesellschaftliche Kreise einbeziehen will. Gleichzeitig ist festzustellen, dass in der Öffentlichkeit, aber auch in Fachkreisen das wechselseitige Wissen übereinander gering ist. Es gibt noch zu wenig Austausch und keine gemeinsame Plattform.